Maskenbarotrauma und –Barostress

Du siehst ja fürch­ter­lich aus! So die ermu­ti­gen­den Worte der Kol­le­gen nach dem Auf­tau­chen. Die Betrof­fene sel­ber wird sich erst nach einem Blick in den Spie­gel ihres zom­bi­haf­ten Aus­se­hens bewusst. Weh tut nichts, viel­leicht etwas Sand­ge­fühl in den Augen. Die Seh­schärfe scheint nor­mal zu sein. Mas­ken­ba­ro­trauma, das geht in ein paar Tagen vor­bei – meint tro­cken der Tauch­guide. Eine Blick­dia­gnose im wahrs­ten Sinn des Wor­tes. Der Tauch­gang war nur am Anfang etwas stres­sig gewe­sen. Die Gruppe war zügig auf 21m abge­taucht. Die Sicht schien schlech­ter als noch vor 3 Tagen im Open­wa­ter Kurs. Also nichts wie hin­ter­her, ja nicht den Tauch­part­ner ver­lie­ren. Zum Glück mach­ten die Ohren keine Pro­bleme. Am Anfang drückte die Maske unan­ge­nehm gegen die Stirne. Aber nur kurz. Dann ver­lief eigent­lich alles pro­blem­los. Bis auf den Schreck nach dem Auftauchen.

 

Maskenbarotrauma - Blutungen unter Haut und Bindehaut

Mas­ken­ba­ro­trauma — Blu­tun­gen unter Haut und Bindehaut

Wie ent­steht ein Mas­ken­ba­rao­trauma (eng­lisch: mask squeeze)? Beim Abtau­chen muss der Druck in der Tau­cher­maske, wie in allen luft­ge­füll­ten Hohl­räu­men, aus­ge­gli­chen wer­den. Das erfolgt meist auto­ma­tisch über die Nase. Geht der Druck­aus­gleich ver­ges­sen, typi­scher­weise bei eher uner­fah­re­nen Tau­chern, wird die fle­xi­ble Maske zuerst noch etwas kom­pri­miert. Bald steht aber der Rah­men an Stirne und Nasen­wur­zel an, eine wei­tere Kom­pres­sion ist nicht mehr mög­lich und innen baut sich ein rela­ti­ver Unter­druck auf. Das Gewebe unter der Maske, d.h. das Auge, die Lider und die Augen­höhle ste­hen aber, wie der ganze Rest des Kör­pers, unter Umge­bungs­druck. Die Druck­dif­fe­renz – ein Sog aufs Gewebe — kann zum Ein­reis­sen von klei­nen Blut­ge­fäs­sen füh­ren. Vor allem die Blu­tung unter der Bin­de­haut sieht impo­sant aus. Was vor­her weiss war ist jetzt plötz­lich homo­gen rot und geschwol­len. Trotz des erschre­cken­den Aus­se­hens ist das Ganze harm­los und ver­schwin­det in weni­gen Wochen voll­stän­dig ohne wei­tere The­ra­pie. Immer­hin, für den Rest der Ferien wird wohl nichts mit dem Schön­heits­preis in der Hoteldisco.

 

Leichte Bin­de­haut­blu­tun­gen sind nicht so sel­ten. Auch im täg­li­chen Leben kann bei einem mini­ma­len mecha­ni­schen Trauma oder sogar spon­tan ein „Aeder­chen auf dem Auge plat­zen“. Sehr sel­ten reis­sen durch das Mas­ken­ba­ro­traume Gefässe in der Augen­höhle ein.

 

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Blu­tung unter der Kno­chen­haut der­Au­gen­höhle nach Maskenbarotrauma

Das Com­pu­ter­to­mo­gramm zeigt deut­lich eine Blu­tung unter der Kno­chen­haut (Periost) des Augen­höh­len­dachs bei einer 28 jäh­ri­gen Tau­che­rin. Die Raum­for­de­rung ver­ur­sachte Dop­pel­bil­der, bis sich das Blut nach meh­re­ren Wochen wie­der resor­biert hatte. Eine aktive The­ra­pie war auch hier nicht nötig.Offensichtlich  braucht es einen indi­vi­du­ell unter­schied­li­chen „Schwellen-Unterdruck“, damit es zum erwähn­ten Ein­reis­sen der Gefässe kommt. Uns inter­es­sierte auch der sub­kli­ni­sche Barost­ress wäh­rend nor­ma­ler Tauch­gänge, d.h. die Druck­schwan­kun­gen in der Tau­cher­maske die nicht zu sicht­ba­ren Schä­den führen.

 

 

Taucherbrille mit Drucksensor

Tau­cher­brille mit Drucksensor

15 frei­wil­lige Pro­ban­den – Mit­ar­bei­ter der Augen­kli­nik des Luzer­ner Kan­tons­spi­tals (sprich Mit­glie­der der „Blue Eye Divers“) — mach­ten bei der Stu­die mit. Sechs waren erfah­rene Taucher/innen (durch­schnitt­lich 100 Tauch­gänge), neun Anfän­ger (7−15 Tauch­gänge). Getaucht wurde im Vier­wald­stät­ter­see. An einer nor­ma­len Tau­cher­brille mon­tier­ten wir einen Sen­sor zur Bestim­mung des Druck­un­ter­schie­des zwi­schen aus­ser­halb und inner­halb der Maske. Die Dif­fe­renz­druck­werte wur­den im Sekun­den­takt draht­los an einen modi­fi­zier­ten Tauch­com­pur­ter Ala­din Air X® (genannt Ala­din Eye X) gefunkt und dort anstelle der Tank­da­ten zusam­men mit den übli­chen Tauch­gangs­in­for­ma­tio­nen gespeichert.

 

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Mas­ken­dif­fe­renz­druck: atem­synch­chrone Schwan­kun­gen und Unterdruckspitzen

Alle Tauch­gänge ver­lie­fen nor­mal und ohne sicht­bare Zei­chen eines Mas­ken­ba­ro­trau­mas. Der Dif­fe­renz­druck fluk­tu­ierte tie­fe­n­un­ab­hän­gig atem­syn­chron zwi­schen 0 und 25 mbar bei dur­schnitt­lich leich­tem Ueber­druck (14,8 mbar) in der Tauch­maske. Posi­tive Druck­spit­zen bis 50 mbar lies­sen sich z.B. durch Nies­sen pro­vo­zie­ren. Inter­es­sant im Hin­blick auf ein mög­li­ches Baro­trauma waren nega­tive Druck­spit­zen (Mas­ken­un­ter­druck) bis –44 mbar. Diese Unter­druck­spit­zen fan­den wir nur in der Anfän­ger­gruppe. Das passt zur Beob­ach­tung, dass ein Mas­ken­ba­ro­trauma am häu­figs­ten bei wenig erfah­re­nen Tau­chern auf­tritt. Unter­druck im Bereich von –50 mbar tut übri­gens schon recht weh, wie wir im Selbst­ver­such gese­hen haben! Das ganze Dif­fe­renz­druck­mus­ter war unab­hän­gig von der Tauchtiefe.

 

Für Augen­ge­sunde ist das Mas­ken­ba­ro­trauma eine kos­me­tisch impo­sante, meist harm­lose Ange­le­gen­heit. Durch rich­tige Instruk­tion lässt sich das Risiko mini­mie­ren. Bei Augen­pa­ti­en­ten – v.a. in der ers­ten Phase nach einer Ope­ra­tion – muss die Beur­tei­lung dif­fe­ren­ziert erfol­gen. In der Regel ist aber nach Abhei­len der Akut­phase Tau­chen auch hier wie­der unbedenklich.

 

 

 

 

 

 

 

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