Occuläre Durchblutung — mit dem Laserdoppler in die Druckkammer

1 Netz­haut­ar­te­rie + Vene. 2 Ader­haut­ge­fäss. 3 Seh­nerv. 4 Macula

Am Augen­hin­ter­grund sehen wir auf drei Gefäss­sys­teme: Netz­haut, Ader­haut (=Cho­ro­idea) und Seh­ner­ven­kopf. Diese pas­sen  – ähn­lich wie im Gehirn –  auto­re­gu­la­to­risch bei Aen­de­run­gen des Blut­drucks oder des Sau­er­stoff­par­ti­al­drucks, die Durch­blu­tung an die aktu­elle Situa­tion an. Über die Blut­zir­ku­la­tion am Auge unter hyper­ba­ren Bedin­gun­gen ist wenig bekannt, obwohl die Augen­durch­blu­tung sowohl bei medi­zi­ni­schen Druck­kam­mer­be­hand­lun­gen als auch bei Tau­chern von Inter­esse ist. Ael­tere Berichte sind nicht kon­klu­siv, u.a. man­gels der ver­füg­ba­ren Mess­tech­ni­ken. Mit Laser­dopp­ler­ge­rä­ten lies­sen sich erst­mals Netz­haut– und Aderhaut-Durchblutung mes­sen. Wir bau­ten ein  Gerät spe­zi­ell für die Druckkammer.

 

Laser­dopp­ler in der Druckkammer

Mit­tels Infra­rot Laser Dopp­ler Flow­me­try (beschrie­ben von CE Riva, BL Petrig et al) unter­such­ten wir den Effekt von hyper­ba­ren Bedin­gun­gen auf die Ader­haut­durch­blu­tung am gesun­den mensch­li­chen Auge bei 21 frei­wil­li­gen Pro­ban­den. Die Ver­än­de­run­gen der rela­ti­ven cho­ro­ida­len Blut­fluss­ge­schwin­dig­keit, des cho­ro­ida­len Blut­vo­lu­mens sowie des cho­ro­ida­len Blut­flus­ses wur­den vor, wäh­rend und nach  Duck­kam­mer­fahr­ten bis 30 m Tauch­tiefe bestimmt. Gleich­zei­tig wur­den Blut­druck und Intrao­ku­lar­druck (IOP) erfasst. Dar­aus lies­sen sich MOAP (mean oph­thal­mic artery pres­sure) und CR (cho­ro­idal resis­tance =  MOAP-(IOP/flow) berechnen.

 

 

Die Sta­tis­ti­sche Ana­lyse erfolgte durch die Abtei­lung für Bio­sta­tis­tik am Insti­tut für Sozial und Prä­ven­tiv­me­di­zin der Uni Zürich. Wir fan­den eine sta­tis­tisch signi­fi­kante Abnahme der cho­ro­ida­len Blut­fluss­ge­schwin­dig­keit, des cho­ro­ida­len Blut­vo­lu­mens und des cho­ro­ida­len Blut­flus­ses wäh­rend und unmit­tel­bar nach der Tauch­fahrt. 10 Minu­ten nach Auf­tau­chen waren wie­der die Aus­gangs­werte erreicht. Weder Blut­druck noch Intrao­ku­lar­druck zeig­ten eine sta­tis­tisch signi­fi­kante Änderung.

 

Schluss­fol­ge­run­gen: Bei den unter­such­ten Pro­ban­den kam es unter hyper­ba­ren Bedin­gun­gen zu einer signi­fi­kan­ten Abnahme der cho­ro­ida­len Durch­blu­tung auf­grund eines Auto­re­gu­la­ti­ons­pro­zes­ses. Wodurch die­ser aus­ge­löst wird, ist unklar (Anstieg Sauerstoff–Partialdruck?). Die kli­ni­sche Bedeu­tung ist offen. Direkte Rück­schlüsse auf das Durch­blu­tungs­ver­hal­ten von Netzhaut-Patienten mit event. gestör­ter Auto­re­gu­la­tion sind nicht mög­lich. Wei­tere Stu­dien sind nötig.

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